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Rauchen aufhören Reduktionsmethode

Stuttgarter Zeitung empfiehlt Reduktionsmethode, NIHR Studie belegt Wirksamkeit

Ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 17.02.2020 gibt gute Tipps für die Nikotinentwöhnung und berichtet über Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören. Als "Rauchstopp-Methode" wird neben dem "radikalen Entzug" auch die Reduktionsmethode empfohlen, sie nennen es die "langsame Rauchentwöhnung". Falls es einem sehr schwer fällt, sofort ohne Hilfsmittel mit dem Rauchen aufzuhören, bietet es sich an, eine Nikotinreduktionstherapie durchzuführen.

Es wird eine Studie des "National Institute for Health Research (NIHR)" aus dem Jahr 2014 angeführt, die untersucht hat, ob es möglich ist mit der Reduktionsmethode vom Nikotin loszukommen. Das NIHR ist eine britische Regierungsorganisation, die Forschung in den Bereichen Gesundheitswesen und Pflege betreibt. Es ging in dieser Studie in erster Linie darum, ob Sport einen positiven Einfluss auf den Nikotinausstieg hat und ob die Reduktionsmethode erfolgreich ist. Das Ergebnis ist überraschend: 15 Prozent der Probanden, die das Rauchen langsam reduziert haben, waren nach ein bis zwei Monaten komplett rauchfrei. Das ist eine sehr gute Erfolgsquote. Bei der Kontrollgruppe, die das Rauchen nicht langsam reduziert haben, waren es nur 4 Prozent.

Allerdings kritisiert der Artikel, dass man sich mit einer Reduktionstherapie selber betrügen kann, weil man weiter Zigaretten raucht, auch wenn sehr viel weniger geraucht wird als vorher.

Auf der anderen Seite muss betont werden, dass die Probanden am Anfang der Untersuchung gar nicht ganz mit dem Rauchen aufhören wollten, am Ende haben es aber trotzdem 15 Prozent geschafft. Es ist aus psychologischer Sicht sehr ungewöhnlich, dass ein Ziel, das gar nicht angepeilt wird, trotzdem erreicht wird.

Sonst werden in dem Artikel viele gute Tipps vermittelt, um rauchfrei zu werden. So gut wie alle Methoden und Hilfsmittel werden genannt. Besonders gut ist der Tipp, mit anderen zusammen aufzuhören und sich gegenseitig zu motivieren. Es wird so wohl ein positiver, sozialer Druck zum Nikotinverzicht aufgebaut. Außerdem gibt es eine hilfreiche mentale Unterstützung von der Nikotinaussteiger-Gruppe. Das können z.B. Familienangehörige sein aber auch Kollegen oder Freunde.

Die Grafik ganz unten auf der Seite, der Stuttgarter-Zeitung ist sehr informativ. Sie zeigt die gesundheitlichen Vorteile, die entstehen, wenn mit dem Rauchen aufgehört wird. Dass sich der Körper sehr schnell nach einem Rauchstopp regeneriert, kann sehr motivierend sein bei einer Rauchentwöhnung.



Kritik: Im Mittelpunkt steht bei dieser Reduktionsmethode das langsame Reduzieren des Nikotinkonsums. Es soll jeden Tag etwas weniger geraucht werden. Damit soll das Ziel verfolgt werden, die Gewohnheit des Rauchens zu überwinden. Jeden Tag etwas weniger zu rauchen, halte ich für sehr schwierig, da sich die Glückshormone immer weiter vermindern und Entzugserscheinungen immer mehr zunehmen können. Ich rate besonders sehr starken Raucher/innen, schrittweise oder stufenförmig das Rauchen zu reduzieren, weil die Entzugserscheinungen in den ersten Tagen nach einer Nikotinreduktion am größten sind; diese sollten erst mal überwunden werden. Erst nach dieser kritischen Phase, der ersten Tagen ist eine erneute Reduzierung zu empfehlen. Ich halte sogar den viel längeren Zeitraum von sechs Wochen für angemessen, um eine erneute Reduzierung in die Tat umzusetzen. Es kommt aber sehr darauf an, wie viel geraucht wird. Das habe ich in meinem Nichtraucherbuch ausführlich begründet.

Sonst ist an der Studie zu kritisieren, dass es nicht klar ist, wie stark die Raucher/innen rauchen. Es ist ein sehr großer Unterschied beim Nikotinausstieg, ob wenig oder viel geraucht wird. Wenig-Raucher/innen können leichter sofort aufhören als starke Raucher/innen. Schon nach einer oder wenigen Reduzierungen können Wenig-Raucher/innen komplett aufhören. Das liegt daran, dass je geringer die Sucht ist, desto schwächer sind auch die Abhängigkeit und die Entzugserscheinungen beim Nikotinausstieg.

Als weiterer Kritikpunkt sollte erwähnt werden, dass der Faktor Stress (und Überforderung) im Leben der Raucher/innen nicht berücksichtigt wurde. Wie ich es in meinem Buch geschrieben habe, halte ich negative Faktoren wie Stress und einen hohen Alkoholkonsum für "die größten Feinde" bei der Raucherentwöhnung. Die negativen Einflussfaktoren Stress und Alkohol wirken sich stärker aus, als der positive Faktor Sport bei der Nikotinentwöhnung. Natürlich ist es das Beste, Stress und Alkohol zu meiden und viel Sport zu treiben. Mir halfen besonders Radfahren, Wandern und Laufen.

Sonst stellt sich natürlich die Frage, ob es in der Zeit nach der Untersuchung zu Rückfällen gekommen ist und wie hoch die Nichtraucherquote nach einem Jahr war. Es wäre dann auch sehr interessant zu erfahren, ob die Probanden nach der Untersuchung noch Sport ausgeübt haben, und ob sich das auch langfristig auf die Rückfallquote positiv ausgewirkt hat.



Kommentar: Die Studie des "National Institute for Health Research (NIHR)" aus England ist methodisch sehr bemerkenswert. Die Forscher haben sich sehr bemüht, nur Testpersonen in ihre Studie einzubeziehen, die zwar weniger rauchen, aber nicht ganz aufhören möchten. Dass dennoch eine so hohe Erfolgsrate nach vier bis acht Wochen erreicht wurde, ist sehr beachtenswert. Jeden Tag kontinuierlich weniger zu rauchen und die kurze Entwöhnungszeit bis zum Rauchstopp von vier bis acht Wochen ist zu kritisieren. Der einzige Unterschied zu anderen, danach erschienenen Studien ist die Tatsache, dass die Versuchspersonengruppe Sport getrieben hat. Sie schreiben von "verhaltensorientierter Unterstützung" in Form von "körperlicher Aktivität" und vermuten, dass Raucher/innen sich meist sehr wenig bewegen. Die Entzugserscheinungen (Entzugssymptome) bei der Raucherentwöhnung verringern sich durch Sport sowie eine mögliche Gewichtszunahme.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

1. Die Studie belegt, dass sich Sport positiv darauf auswirkt mit dem Rauchen aufzuhören. Wie ich es auch in meinem "Rauchen aufhören Buch" beschreibe, stärkt besonders Sport den eigenen Willen und die Bereitschaft aufzuhören. Es stimmt, dass sich die Entzugserscheinungen durch Sport schwächer auswirken, weil Sport die körpereigene Glückshormonproduktion verstärkt, bzw. den Mangel etwas ausgleicht. Ein Nikotinentzug mit starken Entzugserscheinungen wird immer durch einen Mangel an Glückshormonen hervorgerufen. Es entsteht immer ein Dopamin- und/oder Serotoninmangel. Dieser temporäre Dopaminmangel wird durch körperliche Aktivität ein wenig ausgeglichen.

2. Die Motivation zum Aufhören verstärkt sich von allein, wenn ein erfolgreicher Einstieg geschafft wurde. Die Testpersonen wollten gar nicht aufhören, haben es aber trotzdem am Ende getan. Wie bereits oben beschrieben, ist es psychologisch sehr ungewöhnlich ein Ziel zu erreichen, das gar nicht angestrebt wurde. Eine Erklärung dafür könnte in der Tatsache begründet sein, dass sich beim Prozess der Nikotinreduktion die Nikotinabhängigkeit verringert und es dann zu einer fast unbemerkten Meinungsänderung kommt. Erst wenn man es geschafft hat, das Rauchen etwas zu reduzieren, wird einem selbst das Suchtprinzip klar. Wie ich es in meinem Buch ("Mit dem Rauchen aufhören ohne Qual") beschreibe, wandelt sich die Angst, nie wieder rauchen zu dürfen, in einen Wunsch nach einem Leben ohne Nikotin. Je weniger man raucht und vom Nikotin abhängig ist, desto unwichtiger und sinnloser wird es empfunden.

Zusammenfassung: Sport hilft dabei, mit dem Rauchen aufzuhören. Reduktionstherapien helfen nachweislich rauchfrei zu werden. Die Motivation zum Ausstieg verstärkt sich von allein, wenn die ersten Reduzierungen erfolgreich waren.

Resümee: Für mich, als Vertreter der Reduktionsmethode und Autor eines "Rauchen aufhören Buches" ("Mit dem Rauchen aufhören ohne Qual!") sind die Erkenntnisse sehr wegweisend. Ich werde dieses Wissen in meinen nächsten Publikationen berücksichtigen. Ich danke Frau Klingschat von der Stuttgarter Zeitung für den Artikel (Titel: "Endlich Nichtraucher: Mit dem Rauchen aufhören - Tipps, Infos und Vorteile") und die interessanten Informationen. Die Studie war mir vorher nicht bekannt.



Quelle:»www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rauchen-aufhoeren-mhsd.b0ffefaf-9fbc-4d76-9723-d75e935e838b.html»
(Sekundärquelle, abgerufen am 22.02.2020)

Originalquelle (Englisch):»www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4781464/»
(Originalquelle, abgerufen am 22.02.2020)

Originalquelle (Englisch): A Pilot Randomised Trial to Assess the Methods and Procedures for Evaluating the Clinical Effectiveness and Cost-Effectiveness of Exercise Assisted Reduction then Stop (EARS) among Disadvantaged Smokers.
Taylor, Thompson, Greaves, Taylor, Green, Warren, Kandiyali, Aveyard, Ayres, Byng, Campbell, Ussher, Michie, West; IN: Health Technology Assessment; Vol. 18; No. 4; S. 1 – 324; National Institute for Health Research (NIHR), England; 1/2014.



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